Eine Deutsche Glasfaser AG wäre zu klein gedacht

Installation eines Kabelverzweigerkastens des DSL- und Telefonie-Anbieters Thüringer Netkom in Weimar. Foto: Thüringer Netkom GmbH
Installation eines Kabelverzweigerkastens des DSL- und Telefonie-Anbieters Thüringer Netkom in Weimar. Foto: Thüringer Netkom GmbH

Der Gründer und Chef von United Internet, Ralph Dommermuth, hat eine Art Deutsche Glasfaser AG vorgeschlagen, um den Glasfaser-Datennetzausbau hierzulande voranzutreiben. Die Idee ist zweifellos richtig – konsequent zuende gedacht, würde sie aber viel umfassender umgesetzt werden müssen. Dommermuths Vorschlag, über den die Welt berichtet: „Jede Telekommunikationsgesellschaft, die sich an diesem Bündnis beteiligen möchte, würde entsprechend ihrem heutigen Marktanteil Kapital in die Gesellschaft einzahlen“. Hinzu kämen Fördermittel und Kredite – alles zusammen würde es der Gesellschaft ermöglichen, Glasfaseranschlüsse in jedes Haus zu legen.

Die Idee hat Charme. Aber warum eigentlich sollte eine solche Gesellschaft sich nur um den Ausbau des Glasfaser-Datennetzes kümmern? Warum nicht auch um das „normale“ Telefonnetz (wenn es das überhaupt noch gibt, wird doch Festnetztelefonie auf IP-Technologie umgestellt … aber das muss es, denn nicht jede Oma hat DSL) – und das Mobilfunknetz?

Eine solche umfassende Bündelung würde einen Geburtsfehler der Deregulierung der Telekommunikation in Deutschland beheben. In vielen allen essenziellen Infrastrukturbereichen – Schienen- und Straßenverkehr, Strom, Gas oder Wasser – gibt es genau ein Netz, betrieben vom Staat, einer mehrheitlich oder gänzlich staatlichen Gesellschaft oder von staatlich regulierten Privatunternehmen, die aber exklusiv tätig sind. Nicht so auf dem Telekommunikationsektor: Es hätte nicht viel gefehlt, und Deutschland hätte heute sechs Mobilfunknetze. Dass es nur noch drei sind, macht die Sache nicht besser – das weiß jeder Fahrgast der Deutschen Bahn, weswegen dieses Unternehmen mittlerweile über eigene Mobilfunkmasten an seinen Strecken nachdenkt.

Bei der drahtgebundenen Telekommunikation buddeln diverse Anbieter munter drauflos, ohne dass Deutschland dem Ziel näher käme, dass Telekommunikation wie Strom, Wasser oder Gas selbst im entlegenen Weiler in der Eifel oder der verlassenen Kate in MeckPom in der gebotenen Bandbreite verfügbar wäre.

Deswegen müsste eine Deutsche Glasfaser AG eigentlich eine Deutsche Telekommunikationsnetz AG sein. Die genauen Modalitäten – wem gehört diese Gesellschaft, wer bringt welche Assets ein, nach welchem Fahrplan geht sie vor – gelte es auszuhandeln. Aber die oben genannten Beispiele funktionieren (fast) alle nach einem überzeugenden Prinzip: Eine Netzgesellschaft ist sektor- und geografisch exklusiv tätig, wobei ihr eine Aufsichtsbehörde auf die Finger schaut.

Die Idee hätte zusätzlich den Charme, die Belastung für den Bürger durch den Netzausbau zu reduzieren. Im Telekom-Sektor ist die zweifellos gering, aber wenn es nur einen Mobilfunkmasten gibt statt drei, einmal die Straße aufgerissen wird statt erst von der Telekom und dann  vom Kabelfernsehbetreiber, dann ist der Anwohner sicher nicht böse.


Offenlegung: Ich arbeite für die 50Hertz Transmission GmbH, die das Strom-Übertragungsnetz in den jüngeren Bundesländern, Berlin und Hamburg betreibt und damit eines dieser exklusiv tätigen Infrastrukturunternehmen ist.

 

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