dpa schafft sich ein bisschen ab

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) ist Deutschlands wichtigster Nachrichtenlieferant. Jetzt testet das Unternehmen ein Modell, das einen Großteil der eigenen Mitarbeiter überflüssig machen könnte.Die so genannten Landesdienste sind das Rückgrat der dpa und zugleich das journalistische Schwarzbrot der Agentur: Hier laufen die Wald- und- Wiesen-Meldungen aus der Fläche von der kuriosen Polizeimeldung bis zum Landtags-Korrespondentenbericht. Ist die Geschichte relevant oder abseitig genug, wird sie in den deutschlandweiten Basisdienst übernommen.

Diese regionale Berichterstattung ist personalintensiv. Mit der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel testet dpa jetzt, ob dieses Personal nicht massiv reduziert werden kann: Nicht die dpa-Kollegen liefern die regionalen Nachrichten, sondern die Zeitung, die sie ja ohnehin produziert.

In den Augen der Erbsenzähler bei dpa und ihrer Besitzer ist dieses Modell überaus charmant: Die Zeitungen, die dpa im wesentlichen tragen, beliefern sich künftig selber, anstatt eine Ebene dazwischenzuschalten. dpa reduzierte seine Dienstleistung auf ein reines Kuratieren und Verteilen – denn die Entscheidung, welche Meldung wie verbreitet wird, dürfte sich die Agentur kaum aus der Hand nehmen lassen. Das spart viel Geld und dürfte auch effektiv sein – oft weiß die Zeitung vor Ort nämlich selber am besten, was wichtig ist.

Weniger charmant ist das Modell für die Beschäftigten in der Fläche. Sie werden überflüssig, höchstens eine Ebene weiter oben muss dpa ein bisschen verstärken. Und die Berichterstattung wird noch ein bisschen langweiliger: Statt dpa und die Lokalzeitung gibt es künftig nur noch die Lokalzeitung. Die aber deutschlandweit.

 

 

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