Danke, „junge Welt“, für diese Eselei

Die Berliner Mauer am Brandenburger Tor am 8. November 1989

Die Berliner Mauer rund ums Brandenburger Tor. Foto by Flickr-User mr172, CC-NC-SA.2.0

Zu DDR-Zeiten war die junge Welt das Zentralorgan der FDJ, der Freien Deutschen Jugend also. Heute ist die junge Welt …

„… eine linke, marxistisch orientierte, überregionale Tageszeitung mit einem hohen Anteil an Hintergrundberichten und umfassenden Analysen.“,

wie sich auf der Internetseite nachlesen lässt. Diese harmlos anmutende Selbstbeschreibung hat die Redaktion nicht davon bewahrt, am 13. August 2011, am 50. Jahrestags der Abriegelung Westberlins und des Beginns des Mauerbaus, eine Eselei zu begehen: Sie druckte auf der Titelseite vier Angehörige der DDR-Betriebskampfgruppen mit Maschinenpistolen und der Headline „Wir sagen an dieser Stelle einfach mal danke“ nebst diverser mehr oder weniger relevanter Zonendinge. Club-Cola und FKK werden da erwähnt, das Fehlen von Hartz IV und Hedgefonds. Aber eben auch „Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe“, was wunderbar zweideutig ist: Hohenschönhausen war zu DDR-Zeiten ein großes Plattenbaugebiet und das zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi. Knabe leitet die Gedenkstätte, mit der heute an diesen Stasi-Knast erinnert wird.

Das war starker Tobak, auch für politisch links denkende Bürger. In der Partei DIE LINKE haben deswegen  einige Mitglieder dazu aufgerufen, die „junge Welt“ fortan zu boykottieren. Auch das ist starker Tobak. Ein Auszug:

„Über zwanzig Jahre nach der Vereinigung von BRD und DDR und nach über zwanzig Jahren post-realsozialistischer linker Parteipolitik markiert die Mauerfeier der „jungen Welt“ nun die Notwendigkeit eines Bruchs, der schon längst ausstand und den wir nun offensiv einfordern.“

Die komplette Stellungnahme ist bei den Ruhrbaronen nachzulesen. Man darf der jW durchaus dankbar sein für diese Unsäglichkeit.

Nachtrag 16. August: Mittlerweile gibt es eine eigene Seite der Initiative contra junge Welt.

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